Feuerwehr-Karnevals-Klub Wanzleben (FKK)
Karneval wird nicht nur in Rio und am Rhein gefeiert, sondern auch in Wanzleben (Magdeburg). Verantwortlich für die alljährliche spaßige Feier mit Drei-Kilometer-Umzug: Die Feuerwehr! Denn hier regiert der einzige Feuerwehr-Karneval-Klub Deutschlands (FKK) und Anwohner wie Jutta Hellmann sind begeistert: „Das hier ist besser als in Köln!“
Bereits Anfang der 50er Jahre gab es in Wanzleben einen Karnevals-Verein, der allerdings 1957 schon wieder aufgelöst wurde. Warum, ist heute nicht mehr bekannt. Bis zum November 1985 dauerte es dann, bis ein neuer Klub entstand – gegründet von Feuerwehrleuten. Und so kann der „FKK“ aus Wanzleben am 11.11.2010 bereits sein 25-jähriges Bestehen feiern.
Während der DDR-Zeit hattet es der Karnevals-Klub in Wanzleben schwerer: „Die Leute haben zwar auch damals Spaß verstanden – aber wir mussten uns einstufen lassen. Das bedeutet, dass geprüft wurde, ob unser Programm inhaltlich passt oder ob wir vielleicht zu kritisch sind. Außerdem wurde so auch festgelegt, wie viel Geld wir überhaupt einnehmen dürfen“, erklärt Mathias Knauel (51), seit acht Jahren Vereinsvorsitzender des 75 Frau und Mann starken Vereins.
Regelmäßig, fünf bis sechs Mal im Jahr, treffen sich die Karnevalisten des Ostens. Schon im Mai fangen sie mit den Proben für die Zeit ab November an und üben sich vor allem in Gesang und Tanz. Wird der Karneval in Rio bei tropischen Temperaturen gefeiert, bedeutet er für die Karnevalisten in Deutschland und so auch Wanzleben vor allem eines: Frieren! „Wir haben zu dieser Zeit immer so um die minus neun Grad Celsius hier“, sagt Knauel. Am Abend vor dem Umzug geht es aber in der Regel schon heiß her im Ort. Denn dann wird die Prunksitzung abgehalten. Der Karnevals-Umzug, den es seit sechs Jahren wieder in Wanzleben gibt, beginnt daher auch erst um 14 Uhr: „Vorher kriegen wir niemanden aus dem Bett“, erklärt Knauel.
Warum der Rosenmontags-Lauf an einem Sonntag zelebriert wird, ist für die Wanzleber klar: „Wir haben doch am Montag nicht frei!“ Die Feuerwehr des Ortes stellt natürlich Einsatzkräfte, die nüchtern bleiben. Dabei werden sie von Helfern des Feuerwehr-Karneval-Klubs unterstützt, die selber nicht in der Feuerwehr aktiv sind. „Feiern und Spaß haben geht auch ohne Alkohol – aber mit Meldeempfänger“, erzählt Danny Klinder (23). Er ist seit einem Jahr in der Feuerwehr, weiß aber schon genau, worauf es ankommt: „Wir sind für die Bürger da. Heute sperren wir ab und passen auf, dass niemand unter die Räder der Umzugsfahrzeuge kommt.“
Bei Bernd Hahn (52) ist nicht mehr zu erkennen, dass er eben noch im Dienst war. Der Ortswehrleiter läuft nun als bunter Clown durch die Straßen, feiert ausgelassen im Umzug zu Schlagermusik, Schlaghosen und bunten Kostümen. Hier gibt es Kamelle werfende Nonnen neben Panzerknackern auf bunten Lastwagen-Anhängern zu sehen. Auch Bürgermeisterin Petra Hort (55) feiert mit. Trotz ihrer Position als oberste Chefin der Feuerwehr kann sie heute getrost die Macht in Form der Rathausschlüssel abgeben: „Ich bekomme sie ja wieder!“ Rotkäppchen wird sie genannt, da sie der Partei „Die Linke“ angehört – auch das zeigt die Verbundenheit zur Feuerwehr: „Naja, vor 25 Jahren war das alles schon etwas anders. Da wurden die Stadtpolitiker ganz schön heftig angegangen und durch den Kakao gezogen. Auch meine Vorgängerin Mitte der 90er Jahre. Heute ist die Vereinsarbeit, die geleistet wird, eine Bereicherung für die Stadt“, so die Politikerin und zeigt stolz ihre Karnevals-Medaille des Jahres 2010, die sie vor der Brust trägt.
Zwar hat sich die Anzahl der Feuerwehrleute, die im Karnevals-Klub aktiv sind, verringert – doch noch immer ist die Wehr stolz auf ihren Verein und unterstützt ihn. So sind etwa 40 von den aktiven und Jugendfeuerwehrleuten auch beim Karnevals-Umzug am Sonntag, den 14. Februar 2010 ehrenamtlich dabei. Auch über die lange Tradition und die Gründung durch Feuerwehrleute freuen sich die Vereinsmitglieder: „Eine Namensänderung kam für uns nie in Betracht. Wir sind doch der einzig uns bekannte Feuerwehr Karnevals-Verein“, berichtet Knauel, der selbst auch kein Feuerwehrmann ist. Und während die einen noch feiern, sorgen Hauptfeuerwehrmann Christian Friedrich (21) und Feuerwehrmann Danny Klinder weiter für Sicherheit im Ort. Und das tun sie auch, wenn der Karneval (nicht mehr) regiert!